Markt der darstellenden Kunst

Gesamtbewertung

Der Markt der darstellenden Kunst ist aus kulturwirtschaftlicher Sicht ein besonderer Markt. Überall  in Europa lässt sich beobachten, dass das Theaterwesen  im Wesentlichen durch öffentlich finanzierte Strukturen  geprägt ist. Dies gilt auch für die schweizerische  Theaterlandschaft. Opernhäuser und Schauspielbühnen  in staatlicher Trägerschaft zählen in ihrer Finanz- und  Personalausstattung zu Grossunternehmen im Vergleich  zur privatwirtschaftlich kleinteiligen Theaterszene. Das  Bindeglied zwischen den beiden Bereichen ist der intermediäre  Bereich, der durch eine reiche, lokal und regional  verankerte Laienszene gekennzeichnet ist, welche  nicht zuletzt auch den föderalistischen, kleinräumigen  Strukturen der Schweiz entspricht.  Die beschriebenen Verhältnisse von steuerfreien  und steuerpflichtigen Umsätzen kann die These belegen,  wonach für den kulturellen Sektor die kapillaren Austauschbeziehungen  zwischen dem staatlichen, dem intermediären  und dem privatwirtschaftlichen Bereich  von grosser Bedeutung sind. Staatlich und privatwirtschaftlich  induzierte Leistungen können sich gegenseitig  verstärken und sind nicht nur als Gegensatzpaare zu verstehen.  Die präsentierten Daten dürften jedoch – trotz der  bislang rudimentären Datenlage – auch deutlich machen,  dass der Markt der darstellenden Kunst aus privatwirtschaftlicher  Perspektive in der Schweiz sichtbare Veränderungen  in Richtung einer erweiterten Kreativszenebildung  zeigt. Die Gründung kleiner Theaterensembles, die  Aktivitäten der freien Theatergruppen und der Kleinkunstszene  werden zunehmen. Etablierte Arbeitsplätze  in den öffentlich getragenen Theaterhäusern wird es  zunehmend weniger geben.  Die darstellenden Künstler entwickeln immer komplexere  Berufsstrukturen. Sie werden immer stärker freiberuflich  tätig, gleichzeitig aber keineswegs autonomer.  Sie sind in vielschichtiger Weise von den Marktstrukturen  abhängig und auf die Veranstalter (Theater, Rundfunk,  Film) angewiesen, um ihre Leistungen anbieten  und verwerten zu können. Traditionelle gesicherte Angestelltenverhältnisse  (durch gesicherte Arbeitsplätze)  lösen sich auf. Ob sie Unternehmer oder Arbeitnehmer  sind, wird immer schwieriger zu beantworten sein, entsprechende  Geschäftsmodelle reflektieren diese Arten  der Hybridisierung [vgl. kap. 5]. 

Der Markt der darstellenden Kunst aus Sicht der eidgenössischen Steuerverwaltung

Für den  privatwirtschaftlich relevanten Bereich zeigen die vorliegenden  Daten, dass insbesondere die Theaterhäuser und  Konzerthallen sowie die Theater- und Ballettgruppen  und die selbstständig erwerbenden Bühnenkünstler in  klassischen Mischstrukturen tätig sind. Ihr jährlicher  Gesamtumsatz von rund 780 Millionen CHF weist einen  bedeutenden steuerfreien Anteil auf. Für die Theaterund  Ballettgruppen und die selbstständigen Bühnenkünstler  waren dies im Jahre 2005 rund 168 Millionen  CHF (bei einem steuerpflichtigen Anteil von 33 Millionen  CHF), für die Theaterhäuser und Konzerthallen 127  Millionen CHF (bei einem steuerpflichtigen Anteil von  126 Millionen CHF). Umgekehrt verhält es sich für die  Bereiche der Theater-, Konzertkassen und sonstigen  Hilfsdienste und für Zirkusse und Puppentheater. Dort  überwiegt der steuerpflichtige Anteil klar. So erzielten  die sogenannten sonstigen Hilfsdienste des Kulturbetriebs  (Theater- und Konzertkassen, Agenturen, Direktionen  usw.) einschliesslich Exportanteil einen steuerpflichtigen  Umsatz von 105 Millionen CHF im Jahre  2005, während der steuerfreie Anteil lediglich bei 6 Millionen  CHF lag. Auch die anderen typischen Unternehmen  der Kleinstkunstszene wie Akrobatengruppen, Puppentheater,  Zirkusse usw. erzielten 128 Millionen CHF  an steuerpflichtigem Umsatz, der steuerfreie Anteil lag  bei 53 Millionen CHF.  Der hohe Anteil des steuerfreien Umsatzes für den  gesamten Markt der darstellenden Kunst führt auch  dazu, dass der Umsatzanteil für die Kleinunternehmen  ungewöhnlich niedrig ausfällt. In der Realität sind es  jedoch gerade die Theaterleute und die Kleinkunstszene,  die eine wichtige Funktion im Theatermarkt einnehmen.  Ihre statistische Abbildung gelingt bislang kaum und ist  vor allem deshalb ungenügend, weil sich die beruflichen  und wirtschaftlichen Aktivitäten der darstellenden  Künstler traditionellen Erfassungskategorien weitgehend  entziehen.  Die Entwicklung des Gesamtumsatzes hat im Vierjahreszeitraum  2001 bis 2005 dynamisch zugenommen  und erreichte einen Zuwachs von 34,6 Prozent, der am  stärksten auf die Theatergruppen und -bühnen zurückzuführen  ist. Die Betrachtung des Zeitraumes von 2004  bis 2005 zeigt allerdings nur sehr schwache Zuwächse  von 2,1 Prozent. Von den vier ausgewiesenen Segmenten  konnten drei keine positiven Umsatzraten erreichen,  während die Theaterbetriebe mit einem Plus von 19,1  Prozent den gesamten Markt in eine positive Gesamtentwicklung mitziehen konnten. 

Der Markt der Darstellenden Kunst aus Sicht der amtlichen Statistik

Aus Sicht der Betriebszählung  wird sichtbar, dass der Markt für darstellende Kunst  schrumpft. Die Zahl der Arbeitsstätten nimmt mit einer  Veränderungsrate von minus 18 Prozent ab und mit ihr  auch die Zahl der Beschäftigten. Es sind vor allem die  privatwirtschaftlich geprägten Segmente, wie die sonstigen  Hilfsdienste sowie Akrobaten, Puppentheater usw.,  die Strukturen abbauen (minus 22% bis 28% bei den  Arbeitsstätten, minus 12% bis 16% bei der Beschäftigung).  Hier findet offensichtlich ein Strukturwandel statt,  der vermuten lässt, dass die Zahl der Einpersonenbetriebe  in den nächsten Jahren zunehmen wird. In der  Gliederung nach Beschäftigungsgrössenklassen zählen  56 Prozent der Arbeitsstätten des Marktes der darstellenden  Kunst mit ein bis zwei Personen zu den kleinsten  Betriebseinheiten. Insgesamt sind mindestens 93 Prozent  der Kleinstbetriebe (bis zu 9 Beschäftigte je Arbeitsstätte)  in diesem Markt aktiv.  Hohe Anteile von grösseren Arbeitsstätten weisen  lediglich die Segmente «Theater- und Ballettgruppen»  sowie die «Betriebe von Theatern, Opern usw.» aus. Hier  ordnet die amtliche Statistik überwiegend die öffentlichen  Theaterbetriebe zu, sofern sie in privatwirtschaftlicher  Rechtsform existieren. Auf diese Weise erklären  sich die Anteile von 12 Prozent bzw. 20 Prozent der  Arbeitsstätten in den beiden Theatersegmenten.