Kunstmarkt

Gesamtbewertung

Der Kunstmarkt wird durch eine hohe Anzahl von bildenden Künstlerinnen und Künstlern geprägt, die empirisch nur sehr schwer zu erfassen sind. Sie sind Teil einer Künstlerszene, die sich in ihrem Lebenszentrum mit bildender Kunst befasst. Die Eidgenössische Steuerverwaltung kann einen ökonomisch relevanten Kern von rund 250 steuerpflichtigen bildenden Künstlern ausweisen, die amtliche Statistik erfasst rund 770 Künstlerateliers, die überwiegend vom Inhaber geführt werden, und der Berufsverband für visuelle Kunst visarte zählt über 2500 aktive professionelle Künstlerinnen und Künstler in seinen Reihen. Der schweizerische Kunsthandel ist ein international orientierter Markt. Die stark wachsenden internationalen Umsatzvolumina werden zum Teil von singulären Unternehmen erzielt. Der Kunstmarkt agiert immer schneller, eine Entwicklung, die auch durch die Informationsbeschaffung über das Internet möglich wird. Nach schriftlicher Auskunft der Geschäftsstelle des Verbandes Schweizer Galerien (SVG) im Januar 2007 wird der im Jahr 2004 einsetzende Boom mit Gegenwartskunst im Jahre 2005 kräftig gestiegen sein. Der SVG geht davon aus, dass sich diese Entwicklung auch für das Jahr 2006 fortsetzen wird. Er unterstreicht ausserdem die These, dass der Kunstmarkt in der Vergangenheit jeweils mit Finanzmärkten korrespondierte, sodass es zu weiteren positiven Trends kommen könne.

Der Kunstmarkt aus der Sicht der Eidgenössischen Steuerverwaltung

Die Anzahl der Unternehmen und selbstständig Erwerbenden im Kunstmarkt (ohne Kunsthandwerk) erreichte im Jahre 2005 einen Gesamtbestand von 1129. Dabei zählen die Kunsthandelsgruppe (Galerien und Kunsthändler) mit 422 Unternehmen, die Antiquitätenhändler mit knapp 300 Unternehmen und die Gruppe der selbstständig erwerbenden bildenden Künstler mit 249 Künstlerateliers zu den grösseren Teilgruppen. Die Restauratoren mit 105 Betrieben und die Museen mit 58 privatwirtschaftlichen Betriebsteilen ergänzen den Kernbereich des Kunstmarktes. Im Vergleich zum Jahr 2004 stieg die Zahl der Kunstmarktunternehmen insgesamt um 1,3 Prozent an. Im gesamten Vergleichszeitraum von 2001 bis 2005 erreichte der Kunstmarkt jedoch insgesamt nur einen Zuwachs von 1,1 Prozent. Hinter dieser faktischen Stagnation verbergen sich unterschiedliche Entwicklungen. Während sich die Zahl der bildenden Künstler im Zeitverlauf mit rund 244 bis 251 Künstlerateliers kaum veränderte, stieg die Zahl der Galerien und Kunsthändler von 405 im Jahr 2004 auf 422 im Jahr 2005 um 4,2 Prozent an. Auch die Restauratorenbüros wachsen plötzlich wieder und legten zuletzt von 98 auf 105 Büroeinheiten oder um 7,1 Prozent zu. Die Zahl der Museen mit ihren privatwirtschaftlichen Betriebsteilen entwickelte sich unterschiedlich und schrumpfte um 11 Museumseinheiten oder 13,4 Prozent zwischen 2004 und 2005. Die Zahl der Antiquitätenhändler reduziert sich von 2001 auf 2005 kontinuierlich von 318 auf 295 Unternehmen (minus 7,2%). Der erzielte Gesamtumsatz des Kunstmarktes lag im Jahre 2005 bei 1,5 Milliarden CHF. Die Entwicklung des Umsatzes verlief erheblich besser als die Unternehmensentwicklung. Mit knapp 17 Prozent Umsatzzuwachs gegenüber 2004 und mit 12,2 Prozent Zuwachs gegen- über 2001 zählt der Kunstmarkt zu den erfolgreichsten Märkten in der Kreativwirtschaft. Insbesondere die rasant anwachsenden Umsatzwerte im Kunsthandel mit 36 Prozent Zuwachs im Vierjahreszeitraum und einer Steigerung von 26,5 Prozent von 2004 auf 2005 haben die gesamte Situation des schweizerischen Kunstmarktes positiv beeinflusst. Mit einer Milliarde CHF deckt er bereits zwei Drittel des Branchenmarktes ab. Der Löwenanteil der Umsätze der Kunsthändler entfällt auf den wachsenden Anteil des Exports von Kunstgegenständen, der einen Wert von 560 Millionen CHF im Jahr 2005 erreichte. Die Restauratoren konnten zuletzt ähnlich starke Umsatzzuwächse mit einer Steigerung von 36 Prozent zwischen 2004 und 2005 erzielen, während die Umsätze der verwandten Gruppe der bildenden Künstler nicht gestiegen sind. Dramatische Einbrüche werden bei den Museen sichtbar, deren wirtschaftliche Betriebsteile von einem Umsatzhöhepunkt mit 443 Millionen CHF im Jahre 2002 auf einen Tiefstand von 150 Millionen CHF im Jahr 2005 absackten. Das entspricht einer Reduzierung von zwei Dritteln des gesamten museumsbezogenen Umsatzes. Allerdings kann hier auch eine statistische Umsetzung [vgl. kap. 3.3.1] von privatwirtschaftlichen Kunstumsätzen in den Wirtschaftszweig des Kunsthandels teilweise die Ursache für die starke Veränderung der Museumsdaten sein. Der Kunstmarkt ist der am stärksten ausgeprägte kleinbetriebliche Markt in der gesamten Kreativwirtschaft. Dieses Strukturmerkmal wird jedoch in der Differenzierung nach Umsatzarten nur teilweise sichtbar. Zum einen deckt das Umsatzvolumen der selbstständigen Künstler in Höhe von 49 Millionen CHF nur das Potenzial ab, welches mit steuerpflichtigen Umsätzen insgesamt erreicht wurde. Es gibt jedoch zahlreiche bildende Künstler, die nur steuerfreie Umsätze erzielen und somit nicht in der Mehrwertsteuerstatistik erfasst werden. Darüber hinaus erreicht der Gesamtumsatz vieler Künstler nicht den Mindestumsatz von 75 000 CHF pro Jahr, der als Erfassungsuntergrenze in der Mehrwertsteuerstatistik gegeben ist. Der Berufsverband für visuelle Kunst visarte, der mit über 2500 aktiven bildenden Künstlern der zentrale Dachverband in der Schweiz ist, geht von einem durchschnittlichen Jahreseinkommen in Höhe von 30 000 CHF für bildende Künstler aus. Zum anderen sind auch die ausgewiesenen Gesamtumsätze der Galeristen und Kunsthändler bereits überwiegend steuerfrei, da sie zu 56 Prozent Exportumsätze ausweisen.

Der Kunstmarkt aus Sicht der amtlichen Statistik

Die amtliche Statistik kann für einen grösseren Teil der von visarte angegebenen Zahlen zum Bestand der Künstlerateliers und Arbeitsstätten Strukturdaten zur Verfügung stellen. Danach existierten in der gesamten Schweiz im Jahre 2005 mindestens 768 bildende Künstlerateliers mit einem Beschäftigungspotenzial von 1010 Personen. Die Entwicklung der Künstlerateliers zeigt allerdings stark rückläufige Tendenzen. Knapp 22 Prozent aller Ateliers (= Arbeitsstätten) verschwanden zwischen 2001 und 2005. In absoluten Zahlen waren es mehr als 200 Ateliers, die aufgegeben wurden. Verbunden damit sind auch die Beschäftigungszahlen drastisch um 24,3 Prozent zurückgegangen. Von den 1335 im Jahr 2001 registrierten Arbeitsplätzen blieben im Jahr 2005 noch 1010 übrig. Auch der Kunsthandel hat – obwohl sehr gute Gesamtumsätze erzielt wurden – einen starken Abbau von Arbeitsstätten und Beschäftigung im Vierjahreszeitraum erleben müssen. Die Zahl der Arbeitsstätten ging von 541 im Jahr 2001 auf 490 (minus 9,4%), die Zahl der Beschäftigten von 1251 auf 1118 (minus 10,6%) zurück. Diese Entwicklung ist ein Hinweis darauf, dass das Kunsthandelssegment nicht in seiner ganzen Breite gute wirtschaftliche Geschäfte erzielen konnte, sondern dass diese sich eher auf einige wenige grosse und internationale Unternehmen konzentriert haben dürften. Weitere Schrumpfungsprozesse musste auch der Antiquitätenhandel hinnehmen, dessen Marktanteile um ein knappes Viertel bei den Arbeitsstätten und im Beschäftigungsmarkt schrumpften. Nur die Gruppe der Restauratoren und der Museen verhielt sich im Vergleichszeitraum antizyklisch. Während die Zahl der Arbeitsstätten bei den Restauratoren zwischen 2001 und 2005 um 11 Prozent zurückging, stieg hingegen die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 11 Prozent an. Der Museumssektor konnte seine Arbeitsstättenzahl sogar ausweiten (plus 4,4%) und die Arbeitsplätze um rund 10 Prozent erhöhen. Das ist trotz schlechter wirtschaftlicher Lage nur möglich, wenn die Finanzierung durch öffentliche Mittel gegeben ist. Die Struktur der Arbeitsstätten des Kunstmarktes, bezogen auf die Beschäftigungsgrössenklassen, macht überdeutlich, dass der Kunstmarkt mehr wie jeder andere Teilmarkt innerhalb der Kreativwirtschaft eine ausgeprägte kleinbetriebliche Struktur aufweist. 82 Prozent aller Kunstmarktarbeitsstätten zählen zu den Ateliers, Büros oder Betrieben für ein bis zwei Personen. Im Vergleich dazu kommt der durchschnittliche Anteil der gesamten Kreativwirtschaft in dieser kleinsten Grössenklasse gerade auf einen Wert von 58 Prozent. Insgesamt zählen 99 Prozent der Arbeitsstätten im Kunstmarkt zu den Kleinstunternehmen. Nur der Museumssektor hat mit einem Anteil von 16 Prozent Arbeitsstätten, die mehr als 10 Beschäftigte zählen – hier wirkt sich wieder die gemischte Kategorie der öffentlich finanzierten Museen aus. Ein funktionierender Kunstmarkt besteht neben den grossen Unternehmen auch aus unzähligen Kleinstunternehmen und unternehmerischen Mischformen – die Grundlage für einen sich weiter entwickelnden Kunstsektor. Allerdings bewegte sich der regionale schweizerische Kunsthandel bis zum Jahr 2005 nicht in analoger Weise wie der internationale Kunstmarkt, denn der regionale Markt ist durch starke Schrumpfungsprozesse bei den Beschäftigten und Arbeitsstätten gekennzeichnet. Auch für den Kunstmarkt sind Entkoppelungsprozesse zu beobachten, die zu neuen Marktstrukturen für die Entwicklung von neuen visuellen Produkten und Dienstleistungen führen können. Zunehmend verändern sich die «alten» Wertschöpfungsbeziehungen: Die Verbindung Künstler, Galerist, Kunsthändler, Sammler oder Museum wird durch neue Direktvermarktungsformen ersetzt. Zur Entwicklung einer internationalen Kunstproduktion wird es allerdings immer auch auf eine lokalregionale Infrastruktur ankommen. Spitzenkunst ohne Breitenkunst ist auch weiterhin nicht denkbar!