Filmwirtschaft

Gesamtbewertung

Die Schweizer Filmwirtschaft umfasst die Bühnen- und Filmkünstler, Drehbuchautoren und Regisseure, die Filmproduktion einschliesslich TV-Produktion, den Verleih, das Kino und als besonderen Akteur die Filmförderung. Die Filmwirtschaft ist der einzige Kulturmarkt der Kreativwirtschaft, der umfangreiche öffentliche Förderung für die direkte Unternehmensförderung in allen Produktionsketten und günstige Rahmenbedingungen erhält. Die wirtschaftliche und kulturelle Filmförderung ist eine Praxis, die nicht nur in der Schweiz üblich, sondern in ganz Europa verbreitet ist [vgl. kap. 7.3.1] und die der jeweiligen einheimischen Filmproduktion marktfähige Existenzen ermöglichen will. Viele andere Teilbranchen der Kreativwirtschaft verweisen gerne auf die Filmförderpolitik der nationalen und regionalen öffentlichen Stellen und würden sich für ihre eigene Branche ähnlich günstige Bedingungen wünschen. Die Filmwirtschaft der Schweiz konnte sich im beobachteten Zeitraum ganz offensichtlich vom Trend der anderen Teilmärkte der Kreativwirtschaft positiv abkoppeln. Verschiedene Fördermodelle wie etwa die erfolgsabhängige Filmförderung «Succès Cinéma» des Bundesamtes für Kultur oder der «Pacte de l’audiovisuel» zwischen der Filmbranche und der Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR idée suisse) zeigen die engen Austauschbeziehungen zwischen öffentlichem und privatem Sektor. So sind etwa die Radio- und Fernsehanstalten Produzenten, Distributoren und Auftraggeber. Nach den Angaben des Bundesamtes für Statistik hat die Filmwirtschaft im Jahr 2004 rund 64,6 Millionen CHF an öffentlichen und privaten Mitteln zur Finanzierung von Film- und TV-Produktionen erhalten. Das entspricht einer Steigerungsrate von 45 Prozent gegenüber 2001. Damals war der Fördertopf nur mit 44,7 Millionen CHF gefüllt. Durch die technologischen Veränderungen wird sich die Filmwirtschaft in den nächsten Jahren innerhalb der einzelnen Produktionsschritte sehr stark verändern, wenn sich die digitalen Techniken in der Filmproduktion wie in den Abspielstätten in der Breite durchsetzen werden. Es kann sein, dass damit auch eine sprunghafte Entwicklung der kleinen Filmproduzenten einsetzt, die sich zum Beispiel immer mehr in Richtung Videoproduktion verlagern wird. Die digitale, technische Verschmelzung von DVD-Video, Film, TV und Computer kann somit eine neue grosse Entwicklungs- und Kreativitätsbasis für einen Grossteil der Filmschaffenden werden.

Die Filmwirtschaft aus Sicht der eidgenössischen Steuerverwaltung

Die Anzahl der Unternehmen und selbstständig Erwerbenden in der Filmwirtschaft (ohne Rundfunkmarkt und AV-Markt) erreichte im Jahre 2005 einen Gesamtbestand von 1015. Dazu zählt die Gruppe der Bühnenkünstler und Regisseure mit 53 selbstständigen Büros. Die grösste Teilgruppe der Filmwirtschaft bilden die Film- und TV-Filmproduzenten, die mit rund 770 Unternehmen drei Viertel des gesamten Unternehmensbestandes in der Filmwirtschaft ausmachen. Die Filmverleiher und Videoprogrammanbieter zählen mit 57 Unternehmen zu den «Kleinen» in der Branche, während die Kinolandschaft mit 132 Unternehmen abgebildet wird, hinter denen sich knapp 240 Kinobetriebe und Abspielstätten in der ganzen Schweiz verbergen. Im Vergleich zu 2004 stiegen die Unternehmenszahlen in der Filmwirtschaft 2005 wieder deutlich um 4,5 Prozent an. Bereits im Vierjahresvergleich zum Jahr 2001 hatte die Filmwirtschaft einen starken Zuwachs an Filmfirmen zu verzeichnen. Am stärksten sind die Filmproduktionsfirmen gewachsen. Ihre Zahl stieg von 626 Firmen im Jahr 2001 auf eine Anzahl von 773 Firmen im Jahr 2005 an. Das bedeutet einen prozentualen Zuwachs von fast 24 Prozent. Aktuell drängen pro Jahr im Schnitt weitere 6 bis 7 Prozent neue Produktionsfirmen in den Filmmarkt. Die Filmverleihunternehmen hatten in den früheren Jahren einen moderaten Anstieg zu verzeichnen und erlebten zuletzt einen deutlichen Rückgang von 13 Prozent. Die Kinolandschaft verändert sich, was die Zahl der Unternehmen betrifft, nur geringfügig. Diese bewegt sich zwischen 125 und 132 Kinounternehmen im Vierjahreszeitraum. Der erzielte Gesamtumsatz der Filmwirtschaft lag im Jahre 2005 bei 1,4 Milliarden CHF. Die Umsatzentwicklung in der Filmwirtschaft verlief zwar nicht ganz so dynamisch wie die der Unternehmensentwicklung, mit einem Plus von 13,4 Prozent stellt sie aber ein überdurchschnittliches Wachstum in der Kreativwirtschaft insgesamt dar. Allerdings wurden diese positiven Wachstumszahlen nur von den beiden Filmsegmenten der Filmproduktion und den Bühnen- und Filmkünstlern getragen. Die negativen Veränderungsraten des Filmverleihs und der Kinos deuteten bereits an, dass die Filmwirtschaft in der aktuellen Entwicklung in ein Krisenjahr gerutscht ist. So musste die Filmwirtschaft zwischen 2004 und 2005 eine Schrumpfung ihres gesamten Umsatzvolumens um 6,4 Prozent hinnehmen. Hätten nicht die Filmproduktionsfirmen wiederum ein positives Wachstum von 10,4 Prozent im aktuellen Vergleichsjahr präsentiert, dann wäre für die gesamte Filmwirtschaft ein prozentual zweistelliger Umsatzverlust eingetreten. Ein besonderes Merkmal der Filmwirtschaft ist der auffallend gleich verteilte Anteil der verschiedenen Umsatzarten. Von den 1,4 Milliarden CHF Gesamtumsatzvolumen entfiel mit 691 Millionen CHF fast die Hälfte auf den normalen Umsatzsteuersatz (7,6 Prozent), darunter 364 Millionen CHF durch die Filmproduktion und 226 Millionen CHF durch den Verleih. Die übrigen drei Umsatzarten des reduzierten Steuersatzes, des Exports und des ausgenommenen Umsatzes verteilten sich jeweils auf Umsatzvolumina von 220 bis 240 Millionen CHF. Die Kinos erzielten mit dem Verkauf von steuerbegünstigten Kinokarten den Löwenanteil des reduzierten Umsatzes von über 200 Millionen CHF. Der Filmexport wurde überwiegend durch die Filmproduktionsfirmen mit rund 200 Millionen CHF erwirtschaftet. Der ausgenommene Umsatz, der aus steuerfreien Mitteln aus den öffentlichen Finanzen stammt, wurde vor allem von der Gruppe der Bühnen- und Filmkünstler in Höhe von 168 Millionen CHF erzielt.

Die Filmwirtschaft aus Sicht der amtlichen Statistik

Wie die Eckdatentabelle ausweist, existierten im Jahre 2005 insgesamt 1163 Arbeitsstätten, die ein Beschäftigungsvolumen von insgesamt 728 Personen (Voll- und Teilzeit) aufwiesen. Die Entwicklung der Arbeitsstätten ist in zwei Wirtschaftszweigen der Filmwirtschaft zwischen 2001 und 2005 positiv, in zwei Wirtschaftszweigen negativ verlaufen. Wieder sind es die Filmproduktion und der Verleih, deren Arbeitsstätten um 14,3 Prozent im Vierjahreszeitraum zunahmen, die des Verleihs allein immerhin noch um 2,1 Prozent. Die Kinos haben Arbeitsstätten (minus 4,4%) abgebaut, ebenso die Gruppe der Bühnen- und Filmkünstler (minus 1,5%). Von besonderer Bedeutung sind die Zahlen des Beschäftigungsmarktes in der Filmwirtschaft. Hier hat es in allen vier Wirtschaftszweigen positive Effekte gegeben. Insgesamt stieg die Zahl der Beschäftigten um 6,3 Prozent, am stärksten mit 15,7 Prozent beim Verleih und mit 13,8 Prozent in der Filmproduktion. Auch die Filmwirtschaft ist überwiegend von Kleinst- und Kleinunternehmen geprägt. 55 Prozent der Filmfirmen sind inhabergeführte Büros und Studios mit ein bis zwei Mitarbeitern. 94 Prozent der Filmfirmen haben weniger als 10 Beschäftigte je Arbeitsstätte und zählen damit zu Kleinstunternehmen. Lediglich 6 Prozent aller Filmfirmen können mehr als zehn Mitarbeiter je Betrieb beschäftigen.