Designwirtschaft

Gesamtbewertung

Die Designwirtschaft gilt überall in Europa als Wachstumsbranche, die in der Wissens- und Informationsgesellschaft zunehmend eine bedeutende Funktion für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes einnimmt. Während Design lange Zeit nur als Annex anderer Industrien wahrgenommen wurde, zum Beispiel als Automobil-, Möbel- oder Verpackungsdesign, entsteht aktuell immer stärker ein neues Bild. Designwirtschaft, Designindustrie  oder Designmarkt umfassen heute ein eigenständiges  Wirtschaftsfeld, das sich nach verschiedenen  Wirtschaftszweigen ausdifferenzieren lässt. Nach der  europäischen (EU-Kommission) und der schweizerischen  Wirtschaftssystematik wird der Designsektor ab  dem Jahre 2008 mindestens in drei Kerndimensionen  gegliedert werden: Zum Design als Wirtschaftsfeld zählen  danach die Gruppe des Grafikdesigns und Kommunikationsdesigns,  die Gruppe des Produktdesigns und  Industriedesigns und die Gruppe des Interieurdesigns  und der Innenarchitektur. Weitere designbezogene Aktivitäten  sollen in einer Gruppe unter sonstige Designaktivitäten  erfasst werden können.  Die Designwirtschaft entwickelt sich möglicherweise  immer mehr zu einer Leitbranche innerhalb der  Kreativwirtschaft, denn sie hat zu fast allen anderen  Teilmärkten Schnittstellen, die sich immer mehr ausweiten.  Die Berührungspunkte reichen vom Sounddesign in  der Musikwirtschaft, Grafikdesign in der Verlagsbranche,  visuellen Design im Kunstmarkt, Mediendesign in  der Filmwirtschaft und szenografischen Design im  Markt der darstellenden Kunst bis zum Web- und Videodesign  in der Games-Industrie. Die Übernahme neuer  technologischer Entwicklungen bereitet den Designern  erheblich geringere Probleme als anderen Kulturbranchen,  weil sie sich zunehmend weniger über die Gestaltung  von Produkten definieren, sondern über die Gestaltung  von Ideen und Konzepten. Die Designwirtschaft ist  vermutlich diejenige Kreativbranche, welche die sogenannten  nicht technologischen Innovationen am besten  sichtbar machen kann.  Die Designwirtschaft ist andererseits aber eine  typische Branche der Kreativwirtschaft, die in hohem  Masse von kleinstteiligen Strukturen geprägt ist. Die  Designszene und Kleinunternehmen mit wirtschaftlich  tendenziell schwachen Akteuren und die etablierten  klein- oder mittelständischen Unternehmen mit marktwirtschaftlich  erfolgreichen Akteuren bilden zusammen  sowohl eine Humuswirtschaft als auch eine professionelle  Wirtschaft. Im Kapitel 5 werden Ansätze vorgestellt,  welche die komplexen Interaktionsstrukturen  zwischen der Kreativszene und den etablierten Unternehmen  beleuchten. 

Die Designwirtschaft aus Sicht der eidgenössischen Steuerverwaltung

Die Anzahl der  Unternehmen und selbstständig Erwerbenden in der  Designwirtschaft erreichte im Jahre 2005 einen Gesamtbestand  von 7991. Dazu zählen die Gruppe der Industriedesigner  mit 318 Unternehmen, die Gruppe der Produktund  Grafikdesigner mit 2070 Unternehmen, die beiden  Gruppen der Kommunikationsdesigner mit zusammen  3886 Unternehmen, die Gruppe der Fotodesigner mit  923 Unternehmen und die Ausstellungsdesigner mit 794  Unternehmen. Der Werbemarkt, der oftmals dem Design  als beziehungsreicher Teilmarkt zur Seite gestellt wird,  wird in dieser Studie einem eigenen Teilmarkt zugeordnet  und dort behandelt.  Mit einem durchschnittlichen Wachstum von 7,9  Prozent zwischen 2001 und 2005 sind rund 590 neue  Designunternehmen in den Markt eingetreten. Lediglich  die Werbegestalter und die Fotodesigner haben während  dieses Zeitraums geringfügige Schrumpfungseffekte  von 1 Prozent hinnehmen müssen. Insgesamt zeigt die  Designwirtschaft einen kontinuierlichen Anstieg in der  Unternehmensentwicklung innerhalb der beobachteten  Vierjahresperiode.  Der erzielte Gesamtumsatz der Designwirtschaft  lag im Jahre 2005 bei 6,7 Milliarden CHF. Die Umsatzentwicklung  in der Designwirtschaft verlief zwischen  2001 und 2005 mit einem Plus von 6,1 Prozent fast in  ähnlicher Geschwindigkeit wie die der Unternehmensentwicklung.  Allerdings waren nur drei der sechs  Wirtschaftszweige in der Vergrösserung ihres Umsatzpotenzials  erfolgreich. Im Vierjahreszeitraum legten die  Industriedesigner um 14,6 Prozent beim Umsatz zu,  die Kommunikationsdesigner in der Unternehmensberatung  um überdurchschnittliche 41 Prozent und die  Ausstellungsdesigner um 14,4 Prozent.  Die restlichen Designzweige der Produktdesigner, Kommunikationsdesigner  in der Werbegestaltung und die Fotodesigner  mussten Umsatzverluste zwischen 1,3 und 7,4  Prozent hinnehmen. Über die Gründe für die Umsatzerfolge  der Kommunikationsdesigner in der Unternehmensberatung  und die Schwäche der Designer in der  Werbegestaltung kann nur spekuliert werden. Möglicherweise  handelt es sich um einzelne grosse Kommunikationsfirmen,  die singuläre, aber exorbitant hohe Umsätze  innerhalb der Unternehmenskommunikation erzielen  konnten und dadurch dem gesamten Wirtschaftszweig  hohe Umsatzzuwächse verschafft haben. Andererseits ist  die Struktur der Unternehmenskommunikation, gemessen  an der Beschäftigungsgrössenklassengliederung der  Arbeitsstätten, noch kleinteiliger als die der Werbegestaltung.  73 Prozent der Arbeitsstätten im Segment  Kommunikationsdesign sind Büros mit ein bis zwei  Beschäftigten. Bei den Werbegestaltern liegt der vergleichbare  Wert lediglich bei 53 Prozent (vgl. Tabelle  Arbeitsstätten nach Beschäftigungsgrössenklassen).  Der überwiegende Anteil des Gesamtumsatzes in  der Designwirtschaft, nämlich 63 Prozent, wurde im  Jahre 2005 mit dem normalen Steuersatz erzielt (derzeit  7,6%) und erreichte in fast allen Designzweigen mehr als  die Hälfte des jeweiligen Gesamtumsatzes. Lediglich die  Kommunikationsdesigner erzielten mit dem Export und  dem ausgenommenen Steuersatz (steuerfrei) zusammen  mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. Der Anteil der  Umsätze, den die Kleinunternehmen erreichen konnten,  unterzeichnet tendenziell die Lage in der Designwirtschaft.  Nur 9 Prozent des Gesamtumsatzes, darunter der  der Produktdesigner (28%) und der Fotodesigner (37%)  mit etwas höheren Anteilen, wurde den Kleinunternehmen  zugerechnet. Die Statistik der Betriebszählung zeigt  hingegen ein anderes Bild, wie unten erläutert wird. 

Die Designwirtschaft aus Sicht der amtlichen Statistik

Wie die Eckdatentabelle ausweist, existierten  im Jahre 2005 insgesamt 7406 Arbeitsstätten in der  Designwirtschaft, die zusammen ein Beschäftigungsvolumen  von insgesamt 24 510 Personen (Voll- und Teilzeit)  aufwiesen.  Die Entwicklung der Arbeitsstätten ist zwischen  2001 und 2005 negativ verlaufen. Rund 4 Prozent der  Arbeitsstätten sind in diesen Jahren vom Markt verschwunden.  Die Fotodesigner lösten mehr als 11 Prozent  ihrer Arbeitsstätten auf, die Werbegestalter folgten mit  einem Abbau von knapp 9 Prozent und die Produktdesigner  mit einem Abbau von 2,3 Prozent. In der Unternehmenskommunikation  (plus 7,5%) und bei den Ausstellungsdesignern  (plus 2%) wurden neue Arbeitsstätten  aufgebaut.  Mit dem Verschwinden von Arbeitsstätten wurden  auch Arbeitsplätze abgebaut, allerdings – insgesamt  betrachtet – nur in einem geringen Umfang von 1,1 Prozent  zwischen 2001 und 2005.  Die für die positive Beschäftigungsentwicklung  wichtigsten Designzweige waren die Industriedesigner,  die mit 12,6 Prozent Zuwachs im Vierjahreszeitraum zulegten,  und die Kommunikationsdesigner in der Unternehmensberatung,  die 4,8 Prozent im gleichen Zeitraum  an Beschäftigungszuwachs erzielten.  Auch die Designwirtschaft ist überwiegend von  Kleinst- und Kleinunternehmen geprägt. 66 Prozent der  Designunternehmen sind inhabergeführte Büros und  Studios mit ein bis zwei Mitarbeitern. 96 Prozent der Unternehmen  haben weniger als 10 Beschäftigte je Arbeitsstätte  und zählen somit zu den Kleinstunternehmen.  Lediglich 4 Prozent aller Designunternehmen sind in der  Lage, mehr als 10 Mitarbeiter je Betrieb zu beschäftigen.