Architekturmarkt

Inzwischen gilt der Architekturmarkt  fast überall in Europa als selbstverständlicher  Teilmarkt innerhalb der Kreativwirtschaft. Während  die Architektur in Italien oder Frankreich schon lange als  Kulturberuf anerkannt ist, hat es in Ländern wie Deutschland  oder in Skandinavien gedauert, bis auch die Architekten  Eingang in kreativwirtschaftliche Untersuchungen  gefunden haben.  Der Schweizer Architekturmarkt zählt in mehrerlei  Sicht zu den bedeutendsten Teilmärkten innerhalb der  Kreativwirtschaft Schweiz. Er ist der grösste Teilmarkt  hinsichtlich der Unternehmens- und Arbeitsstätten mit  Anteilen von 28 Prozent bzw. 25 Prozent. Das sind rund  11 500 Büros mit circa 10 400 Arbeitsstätten, die Architekturdienstleistungen  jedweder Art anbieten. Mit 36 300  Beschäftigten und 8,3 Milliarden CHF Umsatz ist er der  zweitgrösste Teilmarkt hinter der Software- und Games-  Industrie.  Der Architekturmarkt ist einer der wenigen Kreativmärkte,  der nach relativ klar gegliederten Wirtschaftszweigen  beschrieben werden kann. Abgeleitet aus der  amtlichen Wirtschaftszweigklassifikation, wird der  schweizerische Architekturmarkt nach drei Arten von  Architekturtätigkeiten unterschieden: die Gruppe der Architekturbüros  mit Architekturstudien und Beratungstätigkeit,  die Gruppe der Innenarchitekten und die Gruppe  der Landschaftsgestalter und Gartenarchitekturbüros. 

Der Architekturmarkt aus Sicht der eidgenössischen Steuerverwaltung

Wie die Eckdatentabelle  ausweist, erreichte die Zahl der Büros im Jahre  2005 einen Gesamtbestand von 11 482. Die weitaus grösste  Gruppe bilden die allgemeinen Architekten mit allein  rund 10 650 Büros. Innenarchitekten und Landschaftsplaner  formen dagegen eine verschwindend kleine  Gruppe von 513 bzw. 322 Büros. Die Entwicklung im  Architekturmarkt verlief im Vierjahreszeitraum in allen  drei Gruppen positiv. Rund 5,2 Prozent neue Büros  drängten in den letzten Jahren in den Markt. Die kleinste  Gruppe der Landschaftsplaner hatte bei den Neugründungen  das stärkste Wachstum von knapp 35 Prozent.  Zuletzt hat sich der Gründungstrend, mit Ausnahme wiederum  der Landschaftsplaner, allerdings abgeschwächt.  Die Zahl der Architekten legte von 2004 auf 2005 um 0,7  Prozent geringfügig zu, während die Zahl der Innenarchitekten  geringfügig um 0,8 Prozent abnahm.  Der erzielte Gesamtumsatz des Architekturmarktes  lag im Jahre 2005 bei 8,3 Milliarden CHF. Wiederum den  grössten Umsatz in Höhe von 7,83 Milliarden CHF erzielten  die allgemeinen Architekten. Die Umsatzwerte der Innenarchitekten  und Landschaftsplaner erreichten im Jahre  2005 jeweils 281 Millionen CHF und 182 Millionen CHF.  Die wirtschaftliche Situation des Architekturmarktes war  im Vierjahreszeitraum für zwei der drei Gruppen hervorragend.  Die Steigerung des Umsatzes von 18,4 Prozent  von 2001 bis zum Jahr 2005 macht deutlich, dass die  Architekten im Vergleichszeitraum innerhalb der Kreativwirtschaft  Schweiz zu den erfolgreichsten Teilnehmern  am Markt zählten. Lediglich die Innenarchitekten  hatten ein Umsatzminus von 7,3 Prozent im Vierjahreszeitraum  zu verzeichnen. Allerdings macht auch hier der  Umsatzverlauf deutlich, dass der wirtschaftliche Tiefpunkt  im Jahre 2003 mit 257 Millionen CHF Umsatz  überwunden wurde. Seitdem hat sich der Umsatz der  Innenarchitekten wieder deutlich vergrössert und erreichte  bis 2005 ein Volumen von 281 Millionen CHF.  Die Verteilung nach Umsatzarten zeigt, dass in  allen drei Architekturgruppen jeweils ein nennenswerter  Anteil von 12 bis 22 Prozent des Umsatzes durch Kleinunternehmen  erzielt wurde. Kleinunternehmen bedeutet  im Zusammenhang mit der Architekturbranche allerdings,  dass Architekturbüros mit einem Umsatz von bis  zu 3 Millionen CHF die besonders günstigen Steuersätze  (Pauschal- oder Saldo-Satz) in Anspruch nehmen können.  Der grössere Anteil des Architekturumsatzes wurde  jedoch mit dem üblichen normalen Umsatzsteuersatz  erwirtschaftet. Dieser lag mit 6,79 Milliarden CHF bei 82  Prozent des Gesamtumsatzes. Die Exportumsätze der  Architekten in Höhe von 130 Millionen CHF und einem  Anteil von 2 Prozent am Gesamtumsatz waren erstaunlich  niedrig. Der ausgenommene Umsatz spielte mit  einem Anteil von 1 Prozent praktisch keine Rolle. Der  Architekturmarkt nimmt in der Kreativwirtschaft insofern  eine Sonderstellung ein, als er praktisch ohne  besondere Rahmenbedingungen seitens der öffentlichen  Hand auskommt (ohne öffentliche Fördermittel, steuerliche  Sonderbehandlung usw.). 

Der Architekturmarkt aus Sicht der amtlichen Statistik

Durch die Betriebszählung wird erkennbar,  dass die Architektenbüros trotz der guten wirtschaftlichen  Entwicklung weitgehend Arbeitsstätten abgebaut  haben. 4,9 Prozent der Architektur-Arbeitsstätten verschwanden  im Zeitraum zwischen 2001 und 2005. Hingegen  hat sich die positive wirtschaftliche Entwicklung  ganz offensichtlich beim Zuwachs der Beschäftigten ausgewirkt.  Die beiden Gruppen der Architekturbüros und  der Landschaftsplaner, die bereits positive Umsatzentwicklungen  im Vergleichszeitraum erreichen konnten,  haben dies auch zum Aufbau neuer Arbeitsplätze eingesetzt.  Insgesamt stieg die Zahl der im Architekturmarkt  beschäftigten Personen von 34 958 im Jahr 2001 um 3,7  Prozent auf 36 262 Personen im Jahre 2005. Die Investition  in neue Arbeitsplätze ist ein eindeutiger Indikator  für einen erfolgreichen Architekturmarkt.  Besonders erstaunlich ist diese weitgehend positive  Entwicklung vor allem deshalb, weil auch der Architekturmarkt  eine kleinstteilige Branche darstellt. 95  Prozent aller Arbeitsstätten in diesem Markt zählen zu  den Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Beschäftigten  je Betrieb. Der schweizerische Architekturmarkt ist  somit ein Beispiel dafür, dass auch kleinste Unternehmenseinheiten  stabile Wertschöpfungseffekte erzielen  können.